Immer wieder will Haller üben, die Landschaft leer – menschenlos – zu sehen, außerhalb alles Bearbeiteten durch die Zweibeinerwelt (so wenig er sich die umgebende Kulturlandschaft als Wildnis vorstellen kann). Aber für ihn ist’s, als erschlösse sich ihm Gegend, offener Raum, Landschaft überhaupt nur jenseits der – zumindest offenkundigen – Menschenspuren.
Nämlich, so Haller, sei nicht vieles einfach nur deshalb deformiert, weil wir die Finger daran gehabt hätten. Zur Probe, so er, solle man in die freigegebenen, Jahrzehnte lang in militärischer Unzugänglichkeit gehaltenen Areale gehen – auf einmal wisse man wieder, was das sei – Landschaft, Wiese, urwüchsiger Wald … Es sei, als wolle das Grün von Bäumen, die Dichte der Büsche, die Zahl der Schmetterlinge uns zeigen – ja, wenn man uns nur ließe. Und doch: trotz der unzähligen Spuren von menschlichen Eingriffen in die uns umgebende Natur – vielleicht wäre sie gar nicht schön, wenn wir nicht darin bauten. Weil unser Stilideal der Park sei?
Er rede keiner romantisierenden rückwärtsgewandten Vorstellung von schöner Verwilderung das Wort – schließlich seien Wiesen und Felder schön trotz ihrer Nützlichkeit … nur wer als Wanderer all die Details der Kabeltunnel, Abwasserrohre, Auffangbecken, Stützmauern und Schaltkästen sehe, all die Nutzwege, Sammelplätze, Abtragungen, Kanalisierungen von Bächen und die Verrohrungen all der Gewässer – die dicht gestreuten Nachweise technischen, menschlichen Werkelns noch in entlegenster, aber Erdgasleitung führender Beinahe-Wildnis, die Herrichtung einer Gegend fürs Funktionieren von Wirtschaft, Verkehr, Tourismus, die Hochwasserprophylaxe – ja ja, ihm, Haller, sei völlig klar, daß er überhaupt nur schauen könne, weil Wege ihn dorthin führte – frage sich doch, was wäre, wenn.
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